Montag, 20. April 2009

Traumziel Kanada: Einwanderer mit deutschen Wurzeln

Für Deutsche, die es dauerhaft ins Ausland zieht, zählt Kanada zu den Favoriten. Pro Jahr siedeln sich etwa 4000 von ihnen hier an. Viele stammen aus den östlichen Bundesländern und setzen auf eine bessere wirtschaftliche Perspektive.

Wer einwandert, hat vor allem auf dem Dienstleistungssektor, im Versicherungswesen und in der IT-Branche Chancen auf einen gut dotierten Job. Auch Handwerker, Ingenieure und Pflegekräfte sind gefragt. Mitbringen sollte man gute Englischkenntnisse, in der Provinz Quebec auch Kenntnisse der französischen Sprache. Allerdings gibt es in der Regel keinen Kündigungsschutz, keine Sonderzahlungen und jährlich nur 14 Tage unbezahlten Urlaub. Bewerber sollten sich zunächst um ein Visa oder eine Arbeitserlaubnis kümmern oder mit einem Touristenvisum einreisen.

Die Immigranten folgen einer bewährten Tradition: Lange bevor das Einwanderungsland Kanada 1931 ein souveräner Staat wurde, sichtete man hier die ersten Deutschstämmigen. Sie kamen nicht in friedlicher Absicht, sondern nahmen als Söldner – in französischen oder englischen Diensten – am Krieg zwischen den Kolonialmächten teil.

Die erste deutsche Siedlung hieß Waldbourg. Sie wurde 1745 von Soldatenfamilien auf der Kap-Breton-Insel in Nova Scotia unweit der französischen Festung Louisbourg gegründet. Nach der Einnahme Louisbourgs gaben die Deutschen Waldbourg auf. Die kleine Hafenstadt Lunenburg (Nova Scotia) gibt es dagegen bis heute. Deutsche Siedler gründeten sie 1753 gemeinsam mit französischen Protestanten.

Deutschsprachige Einwanderer zog es auch in die heutigen Provinzen Ontario und Quebec. Ehemalige Soldaten ließen sich nach der Amerikanischen Revolution am St. Lorenz-Strom nieder. Dazu gesellten sich Mennoniten, die aus dem bereits dicht besiedelten Pennsylvania kamen. Nach den Napoleonischen Kriegen zog es deutsche Handwerker, Kaufleute und Bauern nach Kanada.

Eine weitere Einwanderungswelle spülte ab 1872 hunderttausende Europäern über den großen Teich. Kanada lockte Einwanderer mit einem Landzuteilungs-Gesetz, nach dem 65 Hektar Land bloß 10 Dollar kosteten. Weitere Deutsche wurden im Westen sesshaft und gründeten Dörfer wie Neu Elsass, Landshut oder Bruederheim.

Im 20. Jahrhundert strömten weiterhin massenhaft Deutsche ins Land. Zwischen 1919 und 1939 emigrierten 90.000 nach Kanada, davon die Hälfte aus Südost- und Osteuropa. Über zwei Drittel von ihnen waren Bauern. Auch in den 1950er und 1960er Jahren entschieden sich viele Deutsche für ein Leben im Ahorn-Staat.

Heute gibt es in Kanada vier Millionen deutschsprachige Einwohner. Damit bilden Deutsch-Kanadier die drittgrößte Ethnie im Land. Toronto (220.000) und Vancouver (190.000) sind die Städte mit den meisten Deutschsprachigen. In der Stadt Kitchener-Waterloo in der Provinz Ontario sprechen fast 100.000 Menschen die deutsche Sprache – mehr als 40 Prozent der Bevölkerung.

Schon im 19. Jahrhundert zogen viele Deutschstämmige nach Kitchener. Ein Einfluss, der in bekannten Traditionen fortlebt: Es gibt einen Christkindlmarkt und das jährliche Oktoberfest ist das größte außerhalb Deutschlands. Kanadier und US-Amerikaner kommen in Scharen, um dabei zu sein. Übrigens hieß Kitchener bis 1916 Berlin, ehe es nach einem britischen Feldmarschall benannt wurde.

Natürlich gibt es auch eine deutschsprachige Presse. Einen Überblick über die wichtigsten deutschsprachige Zeitungen und Zeitschriften in Kanada findet man auf www.press-guide.com/canada.htm.

Nützliche Informationen für alle, die dauerhaft in Kanada leben und arbeiten wollen bietet die kanadische Regierung unter:
http://www.international.gc.ca/missions/germany-allemagne/visas/menu-deu.asp (Deutsch)
http://www.cic.gc.ca/english/index.asp (Englisch)

Bild: Oktoberfest in Kitchener, Ontario (Quelle: Wikipedia)

Mittwoch, 15. April 2009

Vancouver 2010: Ein Land im Olympiafieber

Voller Vorfreude fiebern viele Kanadier den XXI. Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver entgegen. Schließlich können sie live dabei sein, wenn die weltbesten Athleten auf Skiern oder Schlittschuhen ihre Kräfte messen.

Die Spiele steigen vom 12. bis 28. Februar 2010, wobei die Schnee-Sportarten in einem 115 Kilometer entfernt gelegenen Skigebiet rund um den Ort Whistler ausgetragen werden. Daher wird es zwei olympische Dörfer geben: eines am Meeresarm False Creek in Vancouver, ein anderes in Whistler. Alle Wettkämpfe sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Vancouver aus zu erreichen. Die Hin- und Rückfahrt mit dem Shuttlebus nach Whistler wird um die 25 Euro kosten.

Die Vorbereitungen auf das Großereignis laufen weitgehend nach Plan. Der Bau von Sportstätten ist fast abgeschlossen. Bereits im Sommer 2008 wurde die neue Mehrzweck-Eishalle UBC Thunderbird Arena auf dem Campus der University of British Columbia fertig gestellt. Das 180-Millionen-Dollar-Bauwerk Richmond Olympic Oval für die Eisschnellläufer feierte im Dezember 2008 seine Eröffnung.

Man sollte allerdings nicht verschweigen, dass im Vorfeld nicht nur eitel Sonnenschein herrscht. So berichtete das Handelsblatt im Januar 2009, dass der Bau des Olympischen Dorfes wegen Geldmangels ins Stocken geraten war, da die Kosten auf über 540 Millionen Dollar gestiegen waren. Geldgeber hatten ihre Zusagen wegen der Finanzkrise zurückgezogen. Dank einer Finanzspritze der Provinz-Regierung von British Columbia in Höhe von 485 Millionen Dollar wurde das Problem gelöst.

Die Spiele werden vorrangig aus dem Verkauf von Tickets und Werbe-Artikeln sowie durch Sponsorengelder finanziert. Der Ticketverkauf läuft sehr gut an. Die Hälfte der Eintrittskarten sind für bis zu 100 kanadische Dollar zu haben, über 100.000 der Tickets bekommt man für 25 Dollar.

Die Riege der Olympia-Artikel wird von vier niedlichen Maskottchen angeführt, die zum Teil der Mythologie der indianischen Ureinwohner entlehnt sind. Es gibt den tierischen Schutzgeist „Sumi“, den mythischen Seebären „Miga“, die kanadische Bigfoot-Variante „Quatchi“ und das Vancouver-Murmeltier „Mukmuk“. „Sumi“ ist übrigens das Maskottchen der X. Paralympischen Winterspiele, die vom 12. bis 21. März in Vancouver und Whistler statt finden.

Das Logo der Spiele hat ebenfalls ur-kanadische Wurzeln und zeigt einen Inuksuk namens „Ilaanaq“ (Freund). In der Tradition der Inuit gilt ein Inuksuk als „Gegenstand, der anstelle eines Menschen Aufgaben übernehmen kann“. In der Regel handelt es sich um eine angeordnete Formation aus Steinen, die eine Bedeutung hat.

Die Meinung der Indianer (First Nations) zu den Spielen ist gespalten. Manche Stämme unterstützen Olympia 2010. Andere üben Kritik, weil sie negative Auswirkungen in ihren Territorien durch Bauprojekte und Massen-Tourismus befürchten. Vancouvers Bewohner hingegen votierten mit 64 % für die Austragung.

Olympia 2010 bietet auch Job-Willigen die Chance, vor Ort dabei zu sein. Im Februar 2008 hat das Organisationskommitee VANOC ein Volunteer-Programm gestartet. Benötigt werden knapp 25.000 Freiwillige. Ob Organisation, Unterbringung oder Presse: Fleißige Helfer sind gern gesehen, auch vor dem Start der Spiele. Über das Volunteer-Programm und andere Job-Angebote kann man sich auf den offiziellen Internetseiten der Winterspiele informieren. Online-Bewerbungen sind möglich.

Nach Montreal (1976) und Calgary (1988) kommt Vancouver als dritte kanadische Stadt zu olympischen Ehren. Bleibt zu wünschen: Good luck, Vancouver!

Die offzielle Internetpräsenz der Olympischen Winterspiele 2010 findet sich unter www.vancouver2010.com.

Bilder:
Olympische Ringe (Quelle: Wikipedia)
Countdown zu den Spielen in Vancouver (Quelle: Wikipedia)

Montag, 30. März 2009

Typisch Kanada: Zwischen Fakten und Klischees

Fragt man Europäer, was typisch ist für Kanada, kommt vielen sicher spontan ein kantiger Holzfäller in den Sinn, der mit Biberfellmütze und Karohemd in der Wildnis seiner Arbeit nachgeht. Tatsächlich gibt es in Kanada über eine Million Menschen, die direkt oder indirekt in der Forstwirtschaft beschäftigt sind. Da eine Menge Holz für Haus- und Wohnungsbau in die USA exportiert wird, hat die Krise des US-Immobilienmarktes den Kanadiern in den letzten Jahren zugesetzt und zu Entlassungen geführt.

Europas Eishockey-Fans denken wohl zuerst an Wayne Gretzky, wenn sie Kanada hören. Der 48-Jährige ist der kanadische Franz Beckenbauer. Denn „hockey“ ist Volkssport und Gretzky wird von den meisten Experten als der beste Spieler aller Zeiten angesehen. Von 1979 bis 1999 war er in der National Hockey League aktiv, Nordamerikas Elite-Liga. Hier sind viele der Weltbesten am Puk und treten für Teams aus den USA und Kanada an.

Die Top-Klubs tragen so klangvolle Namen wie Toronto Maple Leafs, Montreal Canadiens, Ottawa Senators, Calgary Flames, Vancouver Canucks oder Edmonton Oilers. Vier Mal führte Gretzky die Edmonton Oilers zum Titelgewinn. Auch andere klassische Wintersportarten sind beliebt, vor allem Eislaufen, Skifahren und Snowboarden. Hervorragende Wettkampfbedingungen finden auch die Spitzensportler vor. Die Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver sind nach Montreal (1976) und Calgary (1988) bereits die dritten, die in Kanada statt finden.

Im Sommer frönen die Kanadier dem Canadian Football, der dem American Football ähnelt. Auch Baseball, Golf, Basketball oder Lacrosse (ein Mannschaftssport mit Netzschlägern und zwei kleinen Toren) haben einen hohen Stellenwert. Ein landestypisches Original ist der Kanadier: ein offenes Kanu, das im Kanu-Rennsport genutzt wird. Mit den Vorläufern dieser Boote paddelten einst hiesige Indianer durch dicht bewaldete Fluss- und Seenlandschaften.

Aus dem Wald stammt auch das Nationalsymbol, der Ahorn. Kanadas Nationalflagge ziert ein rotes Ahornblatt („maple leaf“). Aus dem Saft des Zucker-Ahorns wird der Ahornsirup gewonnen, ein Exportschlager, der vorwiegend im Osten in der Provinz Quebec produziert wird. Traditionell serviert man ihn in Nordamerika zu Pfannkuchen, Waffeln, Eis oder French Toast (ähnlich wie Arme Ritter). Oder man backt gleich einen Ahornsirupkuchen. Als klassisches Einwanderungsland steht Kanada vor allem in den Städten für kulinarische Vielfalt.

Kanada-Besucher werden merken, dass sich die Lebensart der Einheimischen stark von dem unterscheidet, was für US-Amerikaner als typisch gilt. Kanadier stehen in dem Ruf, „europäischer“ zu sein. Dem „American Way of Life“ stehen sie laut Umfragen eher skeptisch gegenüber. Religiöser Eifer ist definitiv weit weniger verbreitet. In Abgrenzung zu den USA sind viele Kanadier stolz auf ihr staatliches Gesundheitssystem.

Wissenswertes zum Thema bietet auch diese Seite der kanadischen Regierung:
http://www.international.gc.ca/missions/germany-allemagne/about-apropos/menu-deu.asp

Bilder:
Szene eines NHL-Spiels Vancouver Canucks vs. San Jose Sharks (Copyright: Elliot, CC-Lizenz)
Ahornsirup (Quelle: Wikipedia)

Montag, 23. März 2009

Kanadas Metropolen

„Ich war 2005 zum ersten Mal in Montreal“, erzählt der Deutsche Lars Peters*, der dort an der McGill University seinen Doktor als Toningenieur macht. „Im ersten Moment hat die Stadt auf mich sehr amerikanisch gewirkt“, erinnert sich der 29-Jährige. „Große Autos, breite Straßen, das Schachbrettmuster der Stadt, große Kühlschränke, coffee-to-go und iPods sieht man überall. Der McGill Campus ist so, wie man es aus amerikanischen TV-Serien kennt.“ Auch der frankophone Einfluss der zweisprachigen Stadt blieb ihm nicht lange verborgen: „Wo sonst bekommt man in Nordamerika frisches Baguette und Croissants mit einem freundlichen ,Bonjournee' serviert?“ Kein Wunder, sprechen doch die meisten Einwohner im Alltag Französisch.

Mit 1,6 Millionen Einwohnern ist Montreal nach Toronto die zweitgrößte Stadt Kanadas. Benannt nach dem 233 Meter hohen Berg Mont Real, der sich im Stadtgebiet erhebt, liegt Montreal auf der Insel Île de Montréal im Sankt-Lorenz-Strom. Typisch sind die harten Winter. Zahlreiche Parks, Kultur- und Freizeitangebote sorgen für einen hohen Freizeitwert. Die Musikszene ist weit über die Stadt hinaus bekannt. Sie trifft sich auf dem jährlichen Festival „Pop Montreal“ oder zu Konzerten des renommierten Orchestre symphonique de Montréal. Neben San Francisco gilt Montreal als die Fahrrad-Metropole Nordamerikas.

Toronto liegt am Ontariosee und hat 2,5 Millionen Einwohner, die Metropolregion sogar 5,5 Millionen. Die Stadt ist das wichtigste Wirtschaftszentrum des Landes und eine internationale Finanzmetropole. Ihre Börse ist die sechstgrößte der Welt. Im äußersten Süden des Landes gelegen, verfügt Toronto für kanadische Verhältnisse über ein mildes Klima. Nach New York ist es die Stadt mit den meisten Wolkenkratzern Nordamerikas. Auch als Sport- und Kulturzentrum sowie als Stätte herausragender Architektur hat sich Toronto einen Namen gemacht.

Über 11 000 Jahre lassen sich hier die ersten Spuren indigener Völker zurückverfolgen. Auch der Name ist indianischen Ursprungs. Die Europäer, insbesondere Briten, siedelten sich verstärkt im 18. Jahrhundert an. 1793 gründeten sie die Stadt York, die sie 1834 – zur besseren Unterscheidung von New York – in Toronto umbenannten.

Auch anderswo in Kanada pulsiert das urbane Leben. In der Film-Metropole Vancouver etwa, wo man sich auf die Olympischen Winterspiele 2010 freut. Reizvoll an einem Meeresarm zwischen Bergen und Pazifik gelegen, ist die Stadt ein beliebtes Ziel. Einwanderer sorgen für Multikulti-Flair und gastronomische Vielfalt, Touristen kommen ebenfalls in Scharen. Vom Yachthafen hat man einen tollen Ausblick auf die beeindruckende Skyline.

Weitere Städte mit über 500 000 Einwohnern sind die zweisprachige Hauptstadt Ottawa sowie Calgary, Edmonton, Winnipeg, Hamilton und Québec.

Interessante Webseiten zu Kanadas Metropolen:
Informationen der Canadian Tourism Commission: http://www.explore.canada.travel/ctc/ke/destination.jsp?cat=2000&localeId=10
About Canada - Canada's Cities: http://www.mta.ca/about_canada/cities/
Hundert6 - Das Portal zum Kanada Urlaub: http://www.hundert6.de/städte-kanadas


Bilder:
Montreal, Kanada (Quelle: Wikipedia)
Toronto, Kanada (Quelle: Wikipedia)

*Name wurde auf Wunsch geändert

Montag, 16. März 2009

Raue Wildnis: Kanadas Landschaften

Die Vielfalt und die Schönheit der kanadischen Natur sind legendär: Atemberaubende Eiswüsten dominieren im Norden, majestätische Gipfel der Rocky Mountains überragen den Westen, die Gewässer der Großen Seen und des mächtigen Sankt-Lorenz-Stromes prägen den Osten. Das zweitgrößte Land der Erde vereint weitläufige Prärien, unbesiedelte Tundra, dichte Wälder und zerklüftete Küsten.

Kein Wunder, dass die kanadische Wildnis auch den Stuttgarter Informatiker Martin Rogge* in ihren Bann zog. Mit einem Freund war er 2002 vier Wochen lang mit einem Mietauto von Vancouver Island bis nach Calgary unterwegs, denn mit dem Zug sind viele Reiseziele nicht direkt zu erreichen. Ihr Weg führte sie auch durch die Rocky Mountains, wo sie den berühmten Athabasca-Gletscher besuchten sowie im Banff- und im Jasper Nationalpark unterwegs waren. Der Banff ist der älteste Nationalpark des Landes und wurde bereits 1885 gegründet.

Wer auf Hotel-Komfort verzichten kann, dem empfiehlt Rogge eine Camping-Tour: „Die Nationalparks bieten einfache, aber gut instand gehaltene Zeltplätze für wenig Geld und eine Menge Naturerlebnisse, wenn man bereit ist, sich auf die Pfade weg von den Besucherzentren zu begeben.“

Lebhaft in Erinnerung geblieben ist ihm das Naturschutzgebiet Wells Gray: „Hier trafen wir keine Menschenseele, nicht einmal einen Ranger. Dafür sahen wir die Kratzspuren eines Bären am Baum neben dem Stellplatz.“ Ein wenig mulmig war den beiden nachts im Zelt schon zumute. Die Camping-Gebühren bezahlten sie, indem sie das Geld eintüteten und in eine Box warfen.

Die Tierwelt ist ebenso reichhaltig wie die Landschaft. Im Süden leben Antilopen und Kojoten, den hohen Norden nennen Eisbären ihr Zuhause und vor Kanadas Küsten lassen sich Wale beobachten – zum Beispiel auf Beobachtungstouren vor Vancouver Island.

In 43 Nationalparks und weiteren Schutzgebieten stehen Tiere und Pflanzen unter besonderem Schutz. Das größte Gebiet dieser Art ist der Wood Buffalo Nationalpark (Provinz Alberta/Nordwest-Territorien) mit 45 000 Quadratkilometern. Wie die Nationalparks Banff und Jasper hat die UNESCO ihn zum Weltkulturerbe erklärt. Mit 6000 Tieren beherbergt er die weltweit größte Population frei lebender Bisons.

Da Kanada über riesige Rohstoff-Potenziale verfügt, fördert die Industrie Bodenschätze wie Kupfer, Blei, Silber oder Erdöl. Nicht selten kommt es zu Interessenskonflikte mit Naturschutz- oder Tourismusverbänden. In vergangenen Epochen war die Wildnis das Ziel von Jägern, Pelzhändlern oder Goldsuchern. Sehenswerte Spuren der Vergangenheit finden sich etwa in Little Salmon Village nahe dem Fluss Yukon. Die verlassene Siedlung war die Heimat von Indianern, aber auch Holzfäller und Goldsucher ließen sich hier einst nieder.

Interessante Informationen über Kanadas Landschaften bietet die offizielle Reise-Website der Canadian Tourism Commission unter:
http://www.canada.travel/splash.de.html

Bilder:
Moraine Lake, Banff National Park (Quelle: Wikipedia)
Dawson Falls am Murtle River, Wells Gray Provincial Park (Quelle: Wikipedia)

*Name wurde auf Wunsch geändert

Montag, 9. März 2009

Studieren im Bildungsparadies: Das kanadische Bildungssystem im internationalen Vergleich

Die verbesserten Ergebnisse der PISA-Studie 2006 in den Naturwissenschaften sorgten in Deutschland für etwas Erleichterung. Kein Wunder, nachdem die vorherigen Resultate regelrechte Schockwellen ausgelöst hatten. Nicht so in Kanada: Hier ist die Freude groß, wenn von der PISA-Studie die Rede ist. Schließlich erklimmen kanadische Schüler im weltweiten Vergleich regelmäßig Spitzenplätze. Schon 2000 holten sie den zweiten Rang im Lesen, wurden Sechster in der Mathematik und Fünfter in den Naturwissenschaften. Auch 2006 lagen sie in allen Bereichen weit vorn.

Kanadische Universitäten schneiden international ebenfalls sehr gut ab. So landeten bei den „World University Rankings 2008“ der renommierten Zeitung „The Times Higher Education“ gleich drei kanadische Hochschulen unter den Top 50: die McGill University (20.), die University of British Columbia (34.) und die University of Toronto (41.). 1821 in Montreal gegründet, ist die McGill University nicht nur Spitze in punkto Qualität, sondern zugleich die älteste Universität des Landes.

Ein Grund für die guten Werte: Mit etwa sieben Prozent seines Bruttoinlandproduktes steckt Kanada vergleichsweise viel Geld ins Bildungssystem. Dabei liegt die bildungspolitische Hoheit bei den Provinzen und Territorien. Die föderale Struktur ist ein wesentlicher Grund für die Vielfalt der kanadischen Bildungslandschaft.

Insgesamt bieten die Hochschulen und Colleges ungewöhnlich viele Studiengänge an. Die Höhe der Studiengebühren und die Zulassungsvoraussetzungen unterscheiden sich von Fall zu Fall. In der Regel sind die Studiengebühren niedriger als in den USA. Wie dort gliedert sich das Studium in Kanada in einen Undergraduate- und einen Graduate-Abschitt.

Die Hochschulen prüfen ihre Studienbewerber selbst. Wer sich von Deutschland aus bewerben möchte, sollte zunächst herausfinden, welche Hochschulen die gewünschten Fächerkombinationen anbieten und sich dann direkt dort melden. Ist die Zulassung erfolgt, benötigt man für einen Aufenthalt ab sechs Monaten ein Visum und eine Studiengenehmigung, die von einer kanadischen Einwanderungsbehörde ausgestellt wird. Unter Umständen haben Interessierte zudem einen TOEFL-Test (Test of English as a Foreign Language) zum Nachweis englischer Sprachkenntnisse vorzuweisen.

Dabei führen viele Wege in den Ahorn-Staat: An vielen deutschen Universitäten gibt es Austauschprogramme mit kanadischen Hochschulen, die auch Teilstipendien anbieten. Weitere Fördermöglichkeiten sind Bildungskredite und Auslandsbafög vom Bund sowie Stiftungsgelder oder Teilstipendien von Organisationen wie dem Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD).

Nützliche Informationen rund um die Themen leben, arbeiten und studieren in Kanada sind auf dem Themenportal Kanada der StudyWorld 2009 zu finden:
www.studyworld2009.com/themenportal

Bild: Gebäude der McGill University, Montréal (Quelle: Wikipedia)

Montag, 2. März 2009

Ein Land – zwei Sprachen: Französisch und Englisch in Kanada

Mit „Welcome to Canada“ begrüßt man Zugereiste in Vancouver. In Québec hingegen heißt es „Bienvenue au Canada“. Ob der Willkommensgruß englisch oder französisch ausfällt kommt darauf an, wo man in Kanada ankommt.

Der Grund ist historischer Natur: Ab 1600 gründeten Franzosen und Engländer Kolonien im heute fast 10.000 Quadratkilometer großen nordamerikanischen Staatsgebiet – und importierten ihre Sprachen und Gewohnheiten. Das Zusammenleben zwischen Englisch- und Französischsprachigen hat also eine lange Tradition und läuft im Alltag weitgehend konfliktfrei.

Seit 1969 sind Englisch und Französisch gleichrangig anerkannte Amtssprachen auf Bundesebene. Die zehn Provinzen und drei Territorien können ihre Amtssprachen selbst wählen. An Kanadas Schulen gibt es keinen flächendeckenden Englisch- und Französischunterricht, so dass nur etwa ein Fünftel aller Einwohner beide Sprachen fließend beherrscht.

Mit etwa sechzig Prozent bilden anglophone Kanadier die Mehrheit im Land. Sie haben englische Wurzeln und wachsen mit Englisch als Erstsprache auf. Im Westen des Landes sowie in zentral gelegenen Provinzen wie Manitoba und Ontario herrscht Englisch vor, das in seiner Aussprache dem amerikanischen Englisch ähnelt.

Für 6,5 Millionen der knapp 32 Millionen Kanadier ist Französisch die Muttersprache. Die meisten von ihnen leben im Osten des Landes, in der Provinz Québec (mit der gleichnamigen Provinz-Hauptstadt). Französisch ist hier die einzige Amtssprache, wo achtzig Prozent der frankophonen Kanadier zu Hause sind. Verkehrsschilder findet man in Québec nur in französischer Sprache, während sie in Kanadas Hauptstadt Ottawa zweisprachig und in anderen Landesteilen überwiegend in Englisch sind. Auch in den Provinzen New Brunswick und Ontario gibt es größere frankophone Bevölkerungsgruppen, die regional unterschiedliche Dialekte sprechen.

Ganz im Norden Kanadas, an der Grenze zu Grönland, befindet sich das Territorium Nunavut. Hier ist das eskimo-aleutische Inuktitut neben Englisch und Französisch die dritte Amtssprache. 25.000 der 31.000 Einwohner Nunavuts zählen zur Eskimo-Volksgruppe Inuit. Indigene Völker wie die First Nations und die Métis (Nachfahren von Europäern und Indianern) haben ihre sprachlichen Traditionen ebenfalls bis heute bewahrt. Während die First Nations über fünfzig verschiedene Sprachen aufweisen, hat sich bei den Métis eine Form von Kreolisch erhalten.